Theater mit Jugendlichen

Die Theater-AG am Albert-Einstein-Gymnasium in Reutlignen erarbeitete in wechselnder Besetzung zwischen 1999 und 2013  unter meiner Leitung jedes Schuljahr eine neue Produktion (ca 60 Minuten). Die Theater-AG am AEG hat das Land Baden-Württemberg zweimal bei dem bundesweiten Festival „Schultheater der Länder“ vertreten und wurde wiederholt zu den Schultheatertagen am LTT Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen eingeladen.

fluchtpunkt

Eine Ensembleproduktion

Was anfangen mit dem Abitur? Dieser Frage ging das Ensemble der AEG-Theater-AG feinfühlig und vielschichtig im Stück ‚Fluchtpunkt‘ nach.
Das vom zehnköpfigen Ensemble (16 bis 18 Jahre alt)  unter Leitung von Cordelia Honigberger selbst entwickelte Stück ‚Fluchtpunkt‘ geht tief, lässt ungefiltert ins Seelenleben blicken und spiegelt durchaus das wieder, was die Darsteller selbst bewegt, wie Carolin Günther und Luzie Ambros nach der Vorstellung erzählen. Die Figuren sind vielschichtig angelegt. Sie eröffnen aufgrund jeder einzelnen Geschichte, die hinter der jeweiligen Figur steckt, viele Blickwinkel und zeigen, wie unterschiedlich jeder mit der gleichen Frage umgeht. Sie ringen nicht nur mit ihren Zukunftsfragen, ein jeder hat ein Päckchen persönlicher, familiärer Probleme zu tragen, die (. . .) berühren. (. . .)
Der Schulalltag aber muss dennoch bewältigt werden (. . .). Und weiter die Frage: „Was soll ich werden?“ (. . .) In ihrer Unterschiedlichkeit sind sie sich letztlich eine Stütze und fördern vielleicht das zu Tage, was eigentlich zählt: „Ich will nichts werden, ich will sein!“
(Anne Leipold, Reutlinger Nachrichten)

Wenn noch alles möglich ist: ‚Fluchtpunkt‘ ist in einjähriger Arbeit unter Leitung der Theaterpädagogin Cordelia Honigberger entstanden. Mit ihr haben die Schüler nach und nach die Charaktere und Dialoge entwickelt. ‚Viele haben sich selbst gespielt‘, sagt die Darstellerin Franziska Gerstbauer. Sich selbst zu spielen sei schwerer. ‚Da wird man mit den eigenen Gefühlen konfrontiert. Mir hat das was gebracht‘.
(. . .)
Malina Palmer spielt schon seit mehreren Jahren in einer kirchlichen Gruppe mit. Aber ein Stück, wie Fluchtpunkt, selbst zu entwickeln sei spannender, meint die 16-Jährige.“
(Martin Schreier, Reutlinger Nachrichten)

Mit „fluchtpunkt“ hat die Theater-AG an den Schultheatertagen „Was uns bewegt“ am LTT Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen teilgenommen.

Antigone

Eigene Bearbeitung nach Sophokles (Verlag der Autoren GmbH & Co KG) & Anouilh (Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH)

Ein halbes Jahr nutzte ich die wöchentlichen Treffen mit der Gruppe für Theatertraining und die Suche nach einem gemeinsamen Thema, wobei sich „Mut“ herauskristallisierte. In Improvisationen und Diskussionen kam die Gruppe zu dem Schluss, dass Mut damit zusammenhängt, Entscheidungen treffen zu können. Es entstanden eigene Texte, schließlich aber fiel die Wahl auf „Antigone“. Ausgehend von der ausweglos erscheinenden Entscheidungs-Spirale des antiken Mythos stellten sich die Jugendlichen die Frage: Welche Werte bestimmen unsere Entscheidungen? Woher nehmen wir den Mut dazu? Den Mut, anders zu entscheiden als die anderen? Was gibt uns das Vertrauen, richtig zu entscheiden? Aus der Auseinandersetzung mit diesen Fragen, der antiken Fassung von Sophokles und der neuzeitlichen von Anouilh erarbeitete ich mit der Gruppe in einem weiteren halben Jahr eine eigene Textversion.

„Es ist eine Geschichte von Entscheidungen und deren Folgen (. . . )
Den Darstellern der Theater-AG ist unter der Regie von Cordelia Honigberger eine Inszenierung gelungen, die über 90 Minuten mitreisst, mitfühlen lässt und nachdenklich macht. Sie lassen die Verzweiflung, Zerrissenheit, Wut und Liebe der Figuren auf der Bühne lebendig werden, ohne das Publikum dabei mit dem Ernst und der Tragik der Geschichte zu erdrücken.

Doch ist es nicht Antigone, die das Mitgefühl der Darsteller erringt, sondern Kreon. ‚Er zeichnet sich dadurch aus, dass er den Mut fasst, in der zertrümmerten Stadt eine Entscheidung zu treffen‘, stellt Vinzenz Bögle für sich fest und ist der Auffassung, dass die dabei herrschende Unsicherheit zu Kreons Fehler führte. ‚Wir haben uns sehr lange damit beschäftigt und in jede Richtung versucht, das Stück zu interpretieren‘, erzählen die Darstellerinnen der Antigone. Eine Protagonistin hätte die vielen Facetten der Figur ihrer Meinung nach nicht verkörpern können. (. . .)“
(Anne Sczesny, Reutlinger Nachrichten)